Pongal – Erntedankfest

Die Tage vergehen mit diesem und jenem im langsamen, dem warmen Wetter von bis zu 30 Grad angepassten Tempo. Unser Wasserkocher ist eines morgens kaputt und wir bitten um einen neuen, der angeblich innerhalb von 1 ½ Stunden da sein soll. Aber wir sind ja in Indien: Also fragen wir mehrmals nach und am späten Nachmittag ist er Kocher dann schließlich da, so dass wir uns einen Nachmittagskaffee aufbrühen können.

Einen Tag steige ich nochmal ein ganzes Stück den Berg hinauf und bringe Shiva nach 4 Tagen die Rupies für die Göttin Lakshmi, die er mir vertrauensvoll mitgegeben hat. Ich sitze eine Weile bei ihm am Berg, wir schwätzen über seine Familie, ich erzähle vom Satsang bei Sharada Ma und wir befreunden uns über Facebook. Dann steige ich den Berg wieder hinunter und treffe Anatha im Ashram.

Indischer Besen

Nach einer Woche wird unser Apartment gereinigt. Eine Inderin betritt mit einem typisch indischen Besen, der eher einem großen Pinsel ähnelt, das Apartment und führt mit ihm Bewegungen am Boden aus, die eher einer Beschwörung ähneln: „Staub geh weg, mach dich davon…“ Ich schiebe ihr noch ein paar Wollmäuse mit dem Fuß hin, die sie eifrig auf die Schippe kehrt. Dann kommt ein nasser Bodenputzlappen dran und es wird in Windeseile durchgewischt, sämtliche Deckenventilatoren werden auf Hochbetrieb gestellt und schon ist die Inderin wieder weg. Na gut, es war schon mal schmutziger im Apartment…. Ein schwäbisches Ehepaar, dem wir begegnet sind, verrät uns, dass sie immer mit einem eigenen Swirl zum Bodenputzen anreisen und nachputzen.

Indischer Mopp – steht dick eingestaubt auf unserem Balkon

Am Sonntag, 14. Januar 2024, beginnt Pongal, das vier Tage dauernde Erntedankfest. Viele Inder nehmen sich frei oder haben frei und gehen auf Pilgerreise; die Straße vor dem Ashram ist voller Autos, Massen von Indern gehen an diesen vier Tagen durch den Ashram, manche andächtig, manche meditieren, manche sind auf Besichtigungstour und schauen sich nur mal um. Jeder Tag des Erntedankfestes hat eine eigene Bedeutung. Spektakulär war der Dienstag, der Tag der Kühe. Im Ashram gab es eine besondere Puja am Grab der Kuh, die lange im Ashram mit Ramana Maharshi gelebt hatte, der sie sehr geliebt hat; danach fand eine Puja im Kuhstall statt. Die Kühe waren schön dekoriert, die Hörner angemalt und die Inderinnen und Inder berührten die Kühe, da dies Glück bringen soll.

Pongal – Kreidemalerei auf der Straße

Die brahmanischen Priester

Im Kustall – der sauber gereinigt war und desinfiziert roch

 

 

 

 

 

 

Einen Tag, am Montag, waren wir bei Raam eingeladen, der ein Restaurant hat und ein traditionelles Essen anbot und auch eine Puja ausführte, die wir leider verpasst haben, da die Zeitangaben etwas fließend waren. Wie es Tradition ist, hatten Raams Kinder zu Pongal neue Kleider bekommen und sich chic gemacht, wahrscheinlich waren auch die Kleider seiner Frau und Mutter neu. Nur Raam selber hatte keine Zeit, sich um Kleidung Gedanken zu machen, er kochte und kochte.  Das Essen war auf Spendenbasis und die Spenden gingen an den Ashram. Wir waren insgesamt 10 Personen, sieben waren Deutsche…

Traditionelles Essen vom Bananenblatt

Raam und Familie

Altar mit Opfergaben

Während der Pongaltage haben sich einige junge indische Verkäuferinnen in den Geschäften richtig chic gemacht, Schmuck angelegt und sich geschminkt. Ein Mädchen wurde ganz verlegen, als wir ihr Outfit bewunderten. Wir sind froh, wenn Pongal wieder vorbei ist und die Straßen und der Ashram wieder etwas ruhiger werden, ruhig ist es ja hier nie. Anatha schiebt inzwischen routiniert ihre Ohrstöpsel in die Ohren, wenn wir das Haus verlassen. Aber auf einen Tipp hin sind wir zu einem wunderschönen Ort gelaufen, der mitten im quirrligen Tiruvannamalai liegt: einem kleinen Park mit einem See, an dem es Sitzbänke gab und wo nur wenige Menschen spazieren gingen.

Blick über den See auf den Arunachala

Es gibt auch einen Kinderspielplatz im Park

Heute, 17.1., haben wir entschieden, noch bis nach dem Vollmondfest in Tiru zu bleiben und haben für den 28.1. den Flug nach Kathmandu über Bombay gebucht. Wir sind zwar schon öfters bei Vollmond mit unzähligen indischen Pilgern um den Berg gewandert, aber es ist jedes Mal wieder ein Erlebnis ganz besonderer Art. Mal sehen wie es dieses Mal wird.

Wir steigen morgens wieder einmal den Berg hoch, begrüßen unterwegs Shiva und meditieren oben im Skanda Ashram. Ich sitze in dem kleinen Raum, in dem Ramanas Mutter gelebt hat. Es ist heute nach dem Pongal-Fest etwas ruhiger am Berg und ich bin zuerst mit einem anderen Westler und einem älteren Inder im Raum und dann alleine. Da kommt der Brahmane und Priester des Ashrams herein und beginnt seine morgendliche Zeremonie: Aus einer großen Schüssel wird mit einem kleinen Becher wiederholt Wasser geschöpft und über die steinerne Ganesha Figur, die neben dem großen Bild der Mutter auf dem Boden steht, gegossen. Sorgfältig rubbelt der Priester die großen Ohren des Elefantengottes und übergießt sie immer wieder. Dann wird der Platz vor der Figur und dem Bild der Mutter gereinigt. Schließlich stellt der Priester vor Ganesha und dem Bild je eine gefüllte Keksdose, poliert noch den Messingständer mit der brennenden Kerze, zündet ein Räucherstäbchen an und verbrennt etwas Kampfer auf dem Boden. Dann packt er die Kekse zusammen, schiebt sie in seinen Beutel zurück und nimmt Becher und Wasserschüssel in die Hand. Ich hatte gerade wieder begonnen zu meditieren, als ich die leise Stimme des Priesters höre: „Mam, Mam …“ Ich öffne erstaunt die Augen und er steht vor mir und hält mir zwei der salzigen Kekse hin – das ist Prasad, gesegnetes Essen. Ich bedanke mich, stecke die Kekse erst einmal ein und hole sie erst wieder heraus, als ich mich mit Anatha draußen vor dem Ashram treffe. Wir sitzen da und knabbern die Kekse, als blitzschnell eine Affenhand von schräg hinten meinen Keks greift und schon ist der kleine Kerl wieder weg. Er setzt sich keinen Meter vor uns hin, schaut uns an und kaut genüsslich…

Fast alle Affen machen Mittagsschlaf – nur nicht der kleine Keksdieb…

 

 

 

 

 

Skanda-Ashram

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