Weiterfahrt nach Tiru – Ankunft

Genug vom Touristenleben in Mahabs – es zieht mit nach Tiruvannamalai, einer Stadt von 145.000 Einwohnern am Fuße des heiligen Berges Arunachala.

Arunachala

Tiru – wie es von den Einwohnern kurz genannt wird – ist bekannt für den indischen Weisen Ramana

Ramana

(und einigen weitere Gurus wie z.B. Annamalai, Sri Seshiatri, Rama Kumar), der den größten Teil seines Lebens an diesem Berg lebte und als großer Guru verehrt wird. Viele Inder und Westler pilgern hier jedes Jahr hin und einige Westler sind nie wieder losgekommen von diesem Ort; so entwickelt sich im Bereich um den Ashram Ramanas herum eine internationale spirituelle Bevölkerung. Ramana gehört zu den Vertretern des Advaita-Vedanta, eine Lehre, die die Welt auf ein einziger, nicht dualistisches Prinzip zurückführt. Soweit stark verkürzt – das ist ein Thema unzähliger philosophischer Abhandlungen und Bücher…

Um 8 Uhr morgens geht es los mit einem indischen Fahrer in einem kleinen Auto. Taxis in Indien sind für Westler erschwinglich und da es nur Linienbusse nach Tiru gibt, die nicht vorbuchbar und meistens vollgepfercht sind über den letzten Platz hinaus, leiste ich mir diesen Luxus. Zumal es per Bus mehr als 6 Stunden wären und ich auch noch umsteigen müsste.

Wir fahren ein Stück über eine Autobahn und auf kleineren Straßen, sind Teil des hupenden, quirligen Linksverkehrs; ich sehe das typisch indische Bild vom Straßenverkehr: in den Orten stehen Kühe unbewegt auf der Straße, die Fahrer umrunden diese vorsichtig, egal ob Auto, Tuk-Tuk, Fahrrad oder Moped. Die heilige Kuh darf alles. An einer der Landstraßen sitzen auf eine Länge von mehr als 1 km Affen einzeln oder in Gruppen aufgereiht am Straßenrand und besehen sich die vorbeifahrenden Autos. Wie im Zoo…

Auf der Fahrt kommen wir durch den Ort Ginjee, eine Stadt, die durch eine Burg aus dem 9. Jahrhundert bekannt ist. An einer der Kreuzungen fällt mir ein großes Gebäude auf: All Women’s Police Station – eine Polizeistation nur mit und wahrscheinlich vor allem für Frauen. Offensichtlich eine Neuerung, da die Gewalt gegen und an Frauen mehr in den Blick gerät in der modernen indischen Gesellschaft.

Nach 3 Stunden sind wir in dem Ort, den ich sehr liebe: Tiru. Der Fahrer setzt mich am Ramana-Ashram ab und ich schultere den Rucksack. Nur wenige Meter weiter befindet sich immer noch einer der kleinen Internet-Shops, dessen Besitzer mir und meiner Frau früher öfters Unterkunft vermittelt hat, in dem man auch SIM-Karten bekommt und Geld wechseln kann – Ratschläge aller Art für dies und das natürlich auch. Nach 4 Jahren erkennt er mein Gesicht wieder und freut sich, mich wiederzusehen. Er gibt mir den Tipp, ein paar Meter weiter in einem Guesthouse zu fragen, setzt eine SIM Karte in mein Smartphone ein und wechselt meine Euros zum Tagespreis in Rupies. Schon mal einiges Wichtiges erledigt! Tatsächlich bekomme ich in einem Guesthouse ein paar Meter weiter zumindest für eine Woche ein Zimmer zu einem erschwinglichen Preis. Danach werde ich weitersehen. Bleibe ich die geplanten 3-4 Wochen hier und suche dann nach etwas Anderem? Reise ich weiter? Alles ist offen.

Der Rucksack ist schnell ausgepackt. Ich wohne im Grünen: Im Garten ringsum sitzen Affen (eigentlich turnen sie eher herum ?), spazieren Pfaue und ich fühle mich glücklich. Das Zimmer ist mit westlichen Standards nicht zu vergleichen, aber für umgerechnet 7,80 Euro habe ich ein ruhiges, zentrales Zimmer, sogar Warmwasser und zwei Spiegel zusätzlich zur Grundausstattung Tisch, Bett, Stuhl. Als Luxus hängen 3 Kleiderbügel an der Gardinenstange!

 

Auch das liebe ich an Indien: Immer wieder wird mir klar, wie wenig ich zum Leben brauche. Auch wenn die Einrichtung etwas ramponiert aussieht, davon hängt mein inneres Glücksempfinden nicht ab.

Auf dem Weg zu einem der Restaurants komme ich an dem alten Obsthändler vorbei, bei dem wir damals immer kauften. Er strahlt und freut sich offensichtlich, mich wiederzusehen. Unglaublich – dieses Erinnerungsvermögen der Inder! Ich nehme meine kleinen Lieblingsbananen mit und bekomme – wie damals – eine dazu geschenkt. Eine kleine Geste, die erfreut. Als ich weitergehe, schießt ein Tuk-Tuk über die Straße auf mich zu und hält neben mir. Ich schaue hinein und sehe die strahlenden Augen unseres damaligen bevorzugten Tuk-Tuk-Fahrers Venkatesh. Er gibt mir seine Telefonnummer und ich freu mich darauf, auch dieses Jahr wieder mit ihm fahren zu können. Tuk-Tuks sind sehr günstig und für 40 – 60 Cent kann man sich im Ort herumfahren lassen, wenn die Füße schmerzen oder die Hitze zu viel wird.

Als ich am Abend früh ins Bett gehe – es wird auch hier bereits um 18 Uhr dunkel – freue ich mich wieder in Tiru zu sein.

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